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Prof. Dr. med. Klaus Völker, Westfälische Wilhelms-Universität
Münster Quelle: Broschüre "Treffpunkt Bad",
4. Überarbeitete Auflage 2003, Hrsg. Koordinierungskreis "Treffpunkt
Bad"
Navigation
- Meist praktiziertest Sportart
- Schwimmen in jedem Alter
- Perfekt für Rücken & Gelenke
- Optimales Ausdauertraining
- Gute Technik = doppelter Spaß
Meist praktiziertest Sportart
Schwimmen ist zwar nicht die Traumsportart schlechthin, jedoch ist
sie die am meisten praktiziertest Sportart. Als Urlaubssport steht
sie seit Jahren an der ersten Stelle. Sie ist eine der wenigen Sportarten,
die wirklich den Namen "Life-Time-Sportart" verdient,
da sie vom Babyalter bis ins Greisenalter ausgeübt werden kann.


Schwimmen in jedem Alter
Der Grund für die Eignung des Schwimmens in allen Altersklassen
liegt in der Besonderheit des Mediums Wasser. Im Wasser ist der
Mensch nahezu schwerelos. Sein Eigengewicht wird durch den Wasserauftrieb
ausgeglichen, und so gelangt man in einen Schwebezustand. Bei dieser
Ausgangslage reichen selbst die noch nicht voll entwickelten Kräfte
eines Kleinkindes oder die deutlich reduzierten Kräfte eines
älteren Menschen aus, um sich im Wasser frei zu bewegen.
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Perfekt für Rücken
& Gelenke
Für eine Vielzahl von Personen, die sich aufgrund von Gelenkbeschwerden
etwa an den Hüften, den Knien oder den Sprunggelenken nicht
an Land belasten können, bietet das Schwimmen eine gute, wenn
nicht die einzige Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen.
Auch die große Gruppe der Rückenpatienten findet im Wasser
Gelegenheit, den Stützapparat zu entlasten und sich zu entspannen.
Einschränkend muss jedoch darauf hingewiesen werden, das die
am meisten praktizierte Schwimmtechnik, das Brustschwimmen, aus
orthopädischer Sicht nicht die geeignetste Technik darstellt.
Verspannungen im Nackenbereich und Überstreckung im Lendenwirbelsäulenbereich
können unter Umständen Rückenbeschwerden sogar verstärken.
Schwimmen in der Rückenlage bietet jedoch eine gute Alternative.
Auch über andere Wasseraktivitäten wie Wassergymnastik
oder Aqua-Jogging als neue Wassersportart eröffnet vielfach
Möglichkeiten gezielter Aktivität.
(Anmerkung der Redaktion: Weitere Infos zum Thema Aqua Fitness
finden Sie hier: Das AQUA FITNESS
SYSTEM )
Diese Aktivität geht in ihrer Intention häufig über
bloße Freizeitaktivitäten hinaus und verfolgt therapeutische
Ziele. An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass die Wassertherapie
in der Nachsorge nach Verletzungen und Operationen einen immer größeren
Stellenwert ein.

Optimales Ausdauertraining
Betrachtet man Schwimmen unter dem Aspekt der Beanspruchung des
Herz-Kreislauf-Systems, so stellt Schwimmen eine klassische Ausdauersportart
dar.
(siehe hierzu Ausdauerschwimmabzeichen,
Kommentar der Redaktion)
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Mit ihren Zyklischen Bewegungsmustern unter
Einsatz einer recht großen Muskelmasse erfüllt
sie die wesentlichen Kriterien, die für eine gesundheitlich
relevante Ausdauersportart gefordert werden. Bei regelmäßigem
Training sind also die postiven Effekte auf den Stoffwechsel,
das Blut und die Herz-Kreislauf-Reaktionen zu erwarten, wie
sie auch von anderen Ausdauersportarten bekannt sind.
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Die Angst, dass durch den Wasserdruck der Blutdruck zu hoch ansteigt
und damit für Personen mit ohnehin erhöhten Werten gefährlich
werden könnte, ist unbegründet. Der Wasserdruck überträgt
sich auf den gesamten Flüssigkeitsraum des Körpers. Der
Druck innen und außen steigt also gleichermaßen. Eine
spezielle Erhöhung des Blutdrucks findet nicht statt.

Die Druckverhältnisse können allerdings für den
Herz-Kreislauf-Patienten unter Umständen zum Problem werden.
Der Wasserdruck fördert den Rückstrom des Blutes zum Herzen.
Etwa ein halber bis anderthalb Liter Blut werden hin zum Herzen
verschoben. Das Herz wird gedehnt und antwortet mit einem kräftigeren
Herzschlag. Für gesunde herzen bedeutet dies keinerlei Problem.
Kranke Herzen, die ohnehin schon stark gedehnt sind, können
überdehnt werden. Anstelle eines verstärkten folgt ein
abgeschwächter Herzschlag, der den Bedarf nicht mehr zu decken
vermag. Herzpatienten mit eingeschränkter Pumpfunktion sollten
daher zuvor mit ihrem Arzt Rücksprache nehmen, bevor sie schwimmen
gehen.
Die verbesserten Rückflussverhältnisse des Blutes zum
Herzen sind auch bei Gesunden zu bemerken. Durch das größere
Blutangebote kommt das Herz mit weniger Schlägen bei vergleichbarer
Belastung an Land aus. Bei gleichem Anstrengungsgrad ist die Herzfrequenz
im Wasser tiefer als an Land. Die Faustformeln zur Steuerung der
Belastungsintensität wie "Trimming 130" oder die
Formel 180 minus Lebensalter" verlieren im Wasser ihre generelle
Gültigkeit. Die Herzfrequenz im Wasser liegt um ca. 10% unter
den vergleichbaren Frequenzen an Land. Da die Belastungsintensität
für die gesundheitliche Wertigkeit des Schwimmens nicht unwesentlich
ist, sollte man den entsprechenden 10%igne Abschlag von den Belastungsformeln
berücksichtigen.
Der Belastungsintensität muss auch von anderer Warte her Aufmerksamkeit
gewidmet werden. Schwimmen ist eine sehr unökonomische Art
der Fortbewegung. Von der aufgewandten Energie können nur maximal
8% in Fortbewegung umgesetzt werden, der Wirkungsgrad ist also sehr
klein. Der Rest geht an Wärme verloren. Bei Landsportarten
wie dem Laufen oder dem Radfahren sind es immerhin ca. 20 bzw. ca.
25 %. Beim Schwimmen kommt zusätzlich noch hinzu, dass der
Wirkungsgrade nach Beherrschung der Technik stark schwankt.

Gute Technik = doppelter
Spaß
Ein schlechter Schwimmer kann einen Wirkungsgrad von unter 1 % haben,
d. h. er strengt sich ungeheuer an, kommt jedoch nur sehr langsam
vorwärts. Für viele schlechte Schwimmer bedeutet sich
bloß im Wasser zu halten eine so große Anstrengung,
dass jeweils nur relativ kurze Strecken bewältigt werden können.
Gute Schwimmer können im flotten Tempo im gleichen Zeitraum
etliche Bahnen zurücklegen.

Der entscheidende Grund für den schlechten Wirkungsgrad ist
die schlechte Beherrschung der Schwimmtechnik. Schwimmen stellt
relativ hohe Anforderungen an die Koordination. Verbesserung der
Schwimmtechnik durch die Schulung der Koordination und des Wassergefühls
kann in kürzester Zeit zu enormen Leistungsverbesserungen führen.
Diese Leistungsverbesserung ist nicht unbedingt als Trainingszustand
des Herz-Kreislauf-Systems zu interpretieren, sondern überwiegend
eine Verbesserung des Wirkungsgrades. Eine bessere Technik ermöglicht
jedoch, mit niedrigerer Belastungsintensität länger schwimmen
zu können. Letzteres hat dann wiederum positive Auswirkungen
auf das Herz-Kreislauf-System.

Je besser die Schwimmtechnik, um so leichter fällt das Schwimmtraining.
Es lohnt sich nicht, nur in seiner alten Technik seine Bahnen zu
ziehen, sondern Zeit zu investieren, um die Schwimmtechnik zu verbessern.
Eine bessere Lage im Wasser und ein besseres Ausnutzen des Abdrucks
erlauben ein schnelleres Vorwärtskommen. Das Gefühl, durch
das Wasser zu gleiten und sich nicht durch das Wasser zu quälen,
lohnt die zeitliche Investition.
Bei der Besprechung der Reaktion der Herzfrequenz im Wasser wurde
bereits erwähnt, dass gesundheitliche orientiertes Schwimmen
nicht bedeutet, so schnell zu schwimmen wie möglich. Die Schwimmintensität
ist dann okay, wenn Sauerstoffaufnahme und Sauerstoffverbrauch im
Gleichgewicht sind. Dies ist bei mittlerer Intensität (siehe
Pulsfrequenz) gegeben. Es ist besser, etwas länger und langsamer
zu schwimmen als zu kurz und mit hoher Intensität. Zwei- bis
dreimal die Woche 20 bis 30 Minuten wäre ein sehr gutes Maß
für gesundheitlich relevantes Training.


Bei aller Erörterung der gesundheitlichen Vorteile des Schwimmens
aus der Sicht des Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems
sollte man nicht vergessen, dass Schwimmen vor allem Spaß
machen sollte. Spaß ist ein wesentliches Element des Gesundheitstrainings,
um dazu bieten Schwimmen und die Vielfalt der Aktivitäten im
Wasser die besten Voraussetzungen. Eine wesentliche Voraussetzung
für gesundheitliche Effektivität des Schwimmens ist die
Dauerhaftigkeit. Diese aber ist nur dann gewährleistet, wenn
es auch dauerhaft Spaß macht.
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