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Exakt 100 Medaillen (34-40-26) gewannen deutsche Schwimmer bei
den bisherigen vier Kurzbahn-Europameisterschaften seit 1996 (Premiere
in Rostock) und stehen damit im "ewigen" Medaillenspiegel
mit Abstand an der Spitze vor Großbritannien (65) und Schweden
(57). Bei den letzten beiden Veranstaltungen war allerdings Schweden
in der Farbe Gold die Nummer eins auf dem Kontinent.
In dieser Woche soll die DSV-Medaillensammlung bei der fünften
Auflage der Kurzbahn-EM in Antwerpen (13. bis 16. Dezember) erweitert
werden. Auch wenn die Vorzeichen nach Absagen von Weltrekordlerin
Franziska van Almsick (Berlin), den Weltmeisterinnen Hannah Stockbauer
(Erlangen) und Sandra Völker (Hamburg) sowie den krankheitsbedingten
Ausfällen von Antje Buschschulte (Wuppertal), die erst gar
nicht an den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften vor zwei Wochen
in Rostock als EM-Qualifikation hatte teilnehmen können, Annika
Mehlhorn (Baunatal) und Torsten Spanneberg (Neukölln) nicht
unbedingt für eine Medaillenschwemme sprechen. "Aber wir
haben schon noch einige Eisen im Feuer", ist DSV-Sportdirektor
Ralf Beckmann zuversichtlich. "Ich denke an Thomas Rupprath,
auch wenn er in der vergangenen Woche Probleme mit einer Erkältung
hatte, an Mark Warnecke, Stev Theloke, Jörg Hoffmann oder Nicole
Hetzer und natürlich an unsere Staffeln."
Der 24-jährige Rupprath hatte die nationalen Meisterschaften
in Rostock mit einem Welt-, zwei Europa- und drei weiteren Deutschen
Rekorden in fünf Wettbewerben auf einem Leistungs-Niveau dominiert
wie vor ihm vielleicht nur ein Michael Groß in den 80er Jahren.
Trotz angegriffener Gesundheit schwamm er am Samstag bei einem Langbahn-Test
in Dortmund über 50 m Schmetterling in 23,82 Sekunden erneut
DSV-Rekord. In Antwerpen konzentriert sich Rupprath aufgrund von
Programm-Überschneidungen als Titelverteidiger auf die 100
m Schmetterling und auf die 100 m Rücken. Hier fehlten ihm
in Rostock nur noch fünf Hundertstelsekunden am Weltrekord
des Amerikaners Neil Walker (50,75). "Wenn ich wieder fit bin,
sind diese fünf Hundertstel wohl zu schaffen", meinte
Rupprath zuversichtlich. Rupprath gehört im Übrigen zu
den wenigen Schwimmern, die bei allen vier bisherigen Kurzbahn-Europameisterschaften
zumindest jeweils immer eine Medaille gewonnen haben.
In dem nach den Ausfällen von Annika Mehlhorn und Torsten
Spanneberg auf 25 Aktive reduzierten Team des Deutschen Schwimm-Verbandes
stehen insgesamt sechs Neulinge, die vorher noch nie bei einer EM,
WM oder Olympischen Spielen angetreten sind: Catherine Friedrich
(Norderstedt), die für Annika Mehlhorn nachnominiert worden
ist, Ann-Christin Langmaack (Hamburg) für die 4x50-m-Freistilstaffel,
die an Vielseitigkeit kaum noch zu übertreffende Janine Pietsch
(Riesa) dreifach Meisterin in Rostock und noch fünfmal unter
den ersten Vier platziert (!), die 15-jährige Überraschungsmeisterin
über 100 m Brust, Carolin Böhm (Rethen/Leine), Jens Thiele
(Hamburg) und Lutz Wanja (Brandenburg).
Catherine Friedrich und Robert Wanja, dessen Vater (und Trainer)
Lutz Wanja 1973 WM-Dritter über 100 m Rücken war, wurden
von Ralf Beckmann im Sinne einer Perspektiv-Planung aus dem Junioren-Bereich
für die EM berücksichtigt.
Neben Rupprath hat auch der 31-jährige "Oidie" Mark
Warnecke (Schwäbisch Gmünd) seinen Titel in Antwerpen
über 50 m Brust zu verteidigen. Der zukünftige Arzt stand
dreimal hintereinander (1998, 1999 und 2000) auf dem obersten Treppchen,
musste sich diesen Platz zuletzt allerdings in Valencia gleich mit
zwei Konkurrenten, dem Tschechen Daniel Malek und dem italienischen
Doppel-Olympiasieger (100 und 200 m Brust), Domenico Fioravanti,
teilen - ein bislang einmaliges Ergebnis in der internationalen
Schwimmsportgeschichte.
Der angehende Forstwirt Jörg Hoffmann, der Ende Januar bereits
32 Jahre alt wird, will es wie Mark Warnecke ebenfalls noch einmal
wissen. Nach eineinhalbjähriger Wettkampfpause schwamm der
Potsdamer die 1500 m in Rostock praktisch im Alleingang (14:46,00)
schon wieder schneller als bei seinem WM-Triumph 2000 auf der Kurzbahn
in Athen! Mit einer derartigen Leistung gehört Jörg Hoffmann
auch in Antwerpen zu den potentiellen Medaillenkandidaten.
Dieser Hinweis passt auch auf den Olympia-Dritten Stev Theloke
(Chemnitz), der in Rostock über 100 m Rücken unter dem
alten Europarekord geblieben war, aber im Schatten des überragenden
Kurzbahnschwimmers Thomas Rupprath stand, die Magdeburgerin Nicole
Hetzer, die über 400 m Lagen den bald 20 Jahre (!) alten Deutschen
Rekord der Chemnitzerin Petra Schneider (4:33,65) im Visier hat
oder die zur Zeit in Tuscaloosa/Alabama trainierende und studierende
Krefelderin Anne Poleska über 200 m Brust. 1999 war Anne Poleska
(21 ) bereits einmal Kurzbahn-Europameisterin, verpasste aber in
diesem Jahr die Qualifikation für die Langbahn-WM in Fukuoka.
Ende November meldete sie sich beim Weltcup in New York mit dem
neuen Europarekord von 2:22,90 Minuten eindrucksvoll zurück
und meldete damit ebenfalls Ansprüche auf einen neuerlichen
EM-Titel an.
In Antwerpen sind laut Mitteilung der Europäischen Schwimm-Liga
LEN 370 Athleten aus 35 Nationen am Start. Nicht gemeldet sind aus
dem Kreis der europäischen Elite die beiden italienischen Olympiasieger
Massimiliano Rosolino (200 m Lagen) und Domenico Fioravanti (100/200
m Brust) sowie die beiden russischen Weltrekordler Alexander Popow
(Freistil-Sprint) und Roman Sludnow (100 m Brust), die rumänische
Olympiasiegerin Diana Mocanu (100/200 m Rücken), die Ungarin
Agnes Kovacs (Olympiasiegerin 200 m Brust) oder der von Rupprath
entthronte 200 m-Schmetterling-Weltrekordler Franck Esposito (Frankreich).
Im Mittelpunkt des internationalen Interesses dürften in Antwerpen
die beiden niederländischen Olympiasieger Inge de Bruijn und
Pieter van den Hoogenband sowie Schwedens Kurzbahn-Weltmeister Lars
Frölander als Konkurrent von Thomas Rupprath über 100
m Schmetterling und Therese Alshammar stehen.
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