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Schwimmen, 11.12.01, von schwimm-press
5. Kurzbahn-EM in Antwerpen — Bislang exakt 100 DSV-Medaillen — Trotz einiger Absagen noch Titelanwärter im Team

Exakt 100 Medaillen (34-40-26) gewannen deutsche Schwimmer bei den bisherigen vier Kurzbahn-Europameisterschaften seit 1996 (Premiere in Rostock) und stehen damit im "ewigen" Medaillenspiegel mit Abstand an der Spitze vor Großbritannien (65) und Schweden (57). Bei den letzten beiden Veranstaltungen war allerdings Schweden in der Farbe Gold die Nummer eins auf dem Kontinent.

In dieser Woche soll die DSV-Medaillensammlung bei der fünften Auflage der Kurzbahn-EM in Antwerpen (13. bis 16. Dezember) erweitert werden. Auch wenn die Vorzeichen nach Absagen von Weltrekordlerin Franziska van Almsick (Berlin), den Weltmeisterinnen Hannah Stockbauer (Erlangen) und Sandra Völker (Hamburg) sowie den krankheitsbedingten Ausfällen von Antje Buschschulte (Wuppertal), die erst gar nicht an den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften vor zwei Wochen in Rostock als EM-Qualifikation hatte teilnehmen können, Annika Mehlhorn (Baunatal) und Torsten Spanneberg (Neukölln) nicht unbedingt für eine Medaillenschwemme sprechen. "Aber wir haben schon noch einige Eisen im Feuer", ist DSV-Sportdirektor Ralf Beckmann zuversichtlich. "Ich denke an Thomas Rupprath, auch wenn er in der vergangenen Woche Probleme mit einer Erkältung hatte, an Mark Warnecke, Stev Theloke, Jörg Hoffmann oder Nicole Hetzer und natürlich an unsere Staffeln."

Der 24-jährige Rupprath hatte die nationalen Meisterschaften in Rostock mit einem Welt-, zwei Europa- und drei weiteren Deutschen Rekorden in fünf Wettbewerben auf einem Leistungs-Niveau dominiert wie vor ihm vielleicht nur ein Michael Groß in den 80er Jahren. Trotz angegriffener Gesundheit schwamm er am Samstag bei einem Langbahn-Test in Dortmund über 50 m Schmetterling in 23,82 Sekunden erneut DSV-Rekord. In Antwerpen konzentriert sich Rupprath aufgrund von Programm-Überschneidungen als Titelverteidiger auf die 100 m Schmetterling und auf die 100 m Rücken. Hier fehlten ihm in Rostock nur noch fünf Hundertstelsekunden am Weltrekord des Amerikaners Neil Walker (50,75). "Wenn ich wieder fit bin, sind diese fünf Hundertstel wohl zu schaffen", meinte Rupprath zuversichtlich. Rupprath gehört im Übrigen zu den wenigen Schwimmern, die bei allen vier bisherigen Kurzbahn-Europameisterschaften zumindest jeweils immer eine Medaille gewonnen haben.

In dem nach den Ausfällen von Annika Mehlhorn und Torsten Spanneberg auf 25 Aktive reduzierten Team des Deutschen Schwimm-Verbandes stehen insgesamt sechs Neulinge, die vorher noch nie bei einer EM, WM oder Olympischen Spielen angetreten sind: Catherine Friedrich (Norderstedt), die für Annika Mehlhorn nachnominiert worden ist, Ann-Christin Langmaack (Hamburg) für die 4x50-m-Freistilstaffel, die an Vielseitigkeit kaum noch zu übertreffende Janine Pietsch (Riesa) dreifach Meisterin in Rostock und noch fünfmal unter den ersten Vier platziert (!), die 15-jährige Überraschungsmeisterin über 100 m Brust, Carolin Böhm (Rethen/Leine), Jens Thiele (Hamburg) und Lutz Wanja (Brandenburg).

Catherine Friedrich und Robert Wanja, dessen Vater (und Trainer) Lutz Wanja 1973 WM-Dritter über 100 m Rücken war, wurden von Ralf Beckmann im Sinne einer Perspektiv-Planung aus dem Junioren-Bereich für die EM berücksichtigt.

Neben Rupprath hat auch der 31-jährige "Oidie" Mark Warnecke (Schwäbisch Gmünd) seinen Titel in Antwerpen über 50 m Brust zu verteidigen. Der zukünftige Arzt stand dreimal hintereinander (1998, 1999 und 2000) auf dem obersten Treppchen, musste sich diesen Platz zuletzt allerdings in Valencia gleich mit zwei Konkurrenten, dem Tschechen Daniel Malek und dem italienischen Doppel-Olympiasieger (100 und 200 m Brust), Domenico Fioravanti, teilen - ein bislang einmaliges Ergebnis in der internationalen Schwimmsportgeschichte.

Der angehende Forstwirt Jörg Hoffmann, der Ende Januar bereits 32 Jahre alt wird, will es wie Mark Warnecke ebenfalls noch einmal wissen. Nach eineinhalbjähriger Wettkampfpause schwamm der Potsdamer die 1500 m in Rostock praktisch im Alleingang (14:46,00) schon wieder schneller als bei seinem WM-Triumph 2000 auf der Kurzbahn in Athen! Mit einer derartigen Leistung gehört Jörg Hoffmann auch in Antwerpen zu den potentiellen Medaillenkandidaten.

Dieser Hinweis passt auch auf den Olympia-Dritten Stev Theloke (Chemnitz), der in Rostock über 100 m Rücken unter dem alten Europarekord geblieben war, aber im Schatten des überragenden Kurzbahnschwimmers Thomas Rupprath stand, die Magdeburgerin Nicole Hetzer, die über 400 m Lagen den bald 20 Jahre (!) alten Deutschen Rekord der Chemnitzerin Petra Schneider (4:33,65) im Visier hat oder die zur Zeit in Tuscaloosa/Alabama trainierende und studierende Krefelderin Anne Poleska über 200 m Brust. 1999 war Anne Poleska (21 ) bereits einmal Kurzbahn-Europameisterin, verpasste aber in diesem Jahr die Qualifikation für die Langbahn-WM in Fukuoka. Ende November meldete sie sich beim Weltcup in New York mit dem neuen Europarekord von 2:22,90 Minuten eindrucksvoll zurück und meldete damit ebenfalls Ansprüche auf einen neuerlichen EM-Titel an.

In Antwerpen sind laut Mitteilung der Europäischen Schwimm-Liga LEN 370 Athleten aus 35 Nationen am Start. Nicht gemeldet sind aus dem Kreis der europäischen Elite die beiden italienischen Olympiasieger Massimiliano Rosolino (200 m Lagen) und Domenico Fioravanti (100/200 m Brust) sowie die beiden russischen Weltrekordler Alexander Popow (Freistil-Sprint) und Roman Sludnow (100 m Brust), die rumänische Olympiasiegerin Diana Mocanu (100/200 m Rücken), die Ungarin Agnes Kovacs (Olympiasiegerin 200 m Brust) oder der von Rupprath entthronte 200 m-Schmetterling-Weltrekordler Franck Esposito (Frankreich).

Im Mittelpunkt des internationalen Interesses dürften in Antwerpen die beiden niederländischen Olympiasieger Inge de Bruijn und Pieter van den Hoogenband sowie Schwedens Kurzbahn-Weltmeister Lars Frölander als Konkurrent von Thomas Rupprath über 100 m Schmetterling und Therese Alshammar stehen.

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Letzte Aktualisierung: 12.12.2001 •  webmaster@swimpool.de
 
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